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Angehender Psychotherapeut beim Containern erwischt!

1, 11. November, 2011

Angehender Psychotherapeut beim Containern erwischt! — Berlin, 11.11.2011, 11:11 Uhr.

Ein junger Psychotherapeut in Ausbildung wurde vorgestern Abend dabei ertappt, wie er Essen aus den Mülleimern eines städtischen Krankenhauses stehlen wollte. Das Krankenhaus erstattete Anzeigen wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs. Der Polizei gestand der junge Mann, dass ihm bewusst war, dass er eine Straftat verübte, aber dass er einfach kein Geld mehr gehabt hätte.  Er gab an, 500 € im Monat für seine Ausbildung zu zahlen, wofür das gesamt Gehalt des Nebenjobs in einem Café draufgehe. “Die 300 €, die ich während meiner Ausbildung verdiene reichen gerade so für Miete und Nebenkosten, jetzt im Winter wird es aber wieder sehr knapp”, berichtete der junge Mann. Nach Angabe des PiA-Netzwerks Berlin, das sich für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung einsetzt, sind solche Fälle bereits zur Normalität geworden. “Wir werden uns dafür einsetzen, dass das Krankenhaus die Anzeigen zurücknimmt”, sagte eine Sprecherin, “vor allem, weil es dasselbe Krankenhaus ist, in dem der betroffene Student gerade seine Ausbildung macht”. Das Problem sei vor allem, dass die StudentInnen keine angemessene Vergütung in ihren Ausbildungsplätzen in den Kliniken bekommen. Andere staatliche Leistungen wie BAFöG oder Hartz IV können nur von einem geringen Teil der Auszubildenden in Anspruch genommen werden – und das ist abhängig vom jeweiligen Fallmanager in Amt oder Agentur. “Ohne Hartz IV darf ich eben auch nicht zu den Tafeln”, meint dazu der containernde Auszubildende.

12 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. D. Zschocke Permalink
    1, 11. November, 2011 15:20

    Jetzt wird man schon angezeigt weil man im Müll wühlt. Gehts noch??? Haben die nichts zu tun dort, daß die sich mit so etwas beschäftigen oder ist das Essen dort so ungesund, daß die Öffentlichkeit nichts drüber erfahren soll? Es wäre zu überlegen ob man diesem kranken Haus nicht die Kassenzulassung entziehen sollte. Die sollten dem jungen Mann was für die eingesparten Müllgebühren zahlen.
    D. Zschocke

  2. flyingapple Permalink
    1, 11. November, 2011 15:28

    Warum wird das nicht groß in der Tagesschau gezeigt? Das ist doch wiederwärtig, was das Krankenhaus da mit dem PiA macht. Menschenunwürdig eine Arbeit bezahlen für die andere Tausende € verdienen und dem Menschen um den es geht noch nicht einmal die Reste gönnen, deren Entsorgung wahrscheinlich sogar mehr kostet als der PiA gerade für seine Arbeit bekommt. Wiederlich, ekelhaft, nicht rechtfertigungsfähig!!!

    • DieKai82 Permalink
      1, 12. November, 2011 10:31

      Kurz zur Info: Ich habe mal als Schülerin in einer Krankenhausgroßküche gearbeitet und wir mussten wunderschöne große Torten wegwerfen, anstatt sie zu Essen oder mitzunehmen, weil die Essensreste von den Kliniken an Tiernahrungsmittelhersteller verkauft werden. War schon damals ein tolles Gefühl nicht das Essen zu dürfen was nachher die Schweine bekommen… nur haben wir dort immerhin noch genug verdient um nicht von Müll abhängig zu sein… anders wurde das nach meinem Studium als Diplom-Psychologin…

  3. Malte Permalink
    1, 11. November, 2011 15:58

    Hihi ;) Sehr schöner Artikel und wirklich gute Idee! Danke für die Aufmunterung!

  4. Stefanie Permalink
    1, 11. November, 2011 22:38

    Jetzt beginnt ja auch wieder die extrem schwierige Jahreszeit für PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA). Sie stehen zusammen mit anderen Obdachlosen Schlange, um einen der begehrten Schlafplätze der Berliner Kältehilfe zu bekommen. Die PiA , die Pech haben und abgewiesen werden, landen unter der Brücke und decken sich mit der Samstagsausgabe einer Tageszeitung zu (ist dicker und wärmer, da mehr Seiten drin). Das Containern ist mittlerweile leider zur Normalität für PiA geworden.
    Habe erst neulich wieder von einem Fall gehört, bei dem gingen die gesamten Einkünfte (600€ aus dem Nebenjob und 400€ aus der Praktischen Tätigkeit bei einem Berliner Klinik-Konzern) für die Lehranalyse drauf. Geld für eine Wohnung oder für Lebensmittel waren nicht mehr drin. In einer Lehranalyse-Sitzung musste der Lehranalytiker mit einem Wurst-Brot erste Hilfe leisten, sonst wäre der Lehranalysand vor Hunger noch während der Stunde kollabiert. Schlimme Zeiten!
    Wir vom PiA-Netzwerk Berlin werden demnächst einen Hilfsfonds einrichten, der bei solchen Extremfällen schnelle und unbürokratische Hilfe leistet. Aber zum Glück haben PiA auch einen Sinn für Humor, denn schließlich beginnt jetzt – nicht nur im Rheinland – die 5. Jahreszeit: “Hütt dommer dröwer lache” (Heute lachen wir drüber). Helau!

    Stefanie vom PiA-Netzwerk Berlin

  5. Daniela Hainz Permalink
    1, 12. November, 2011 6:39

    bitte nochmal beachten pias sind KEINE studenten!!! wir sind studierte DIPLOM-PSYCHOLOGEN!!!
    und den artikel find ich treffend…wenn auch leicht satirisch :)

  6. 1, 12. November, 2011 10:58

    Auch wenn im Artikel nicht alles tatsächlichen Begebenheiten entspricht, so ist er doch eine sehr realistische Einschätzung meiner eigenen Zukunft. Ich hoffe, der Artikel hilft, auf die prekären Zustände in der Psychotherapie-Ausbildung aufmerksam zu machen.

  7. m kaiser Permalink
    1, 12. November, 2011 11:42

    Psychologisch Psychotherapeuten in Ausbildung haben juristisch gesehen zumeist ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Vergütung u Einnahmensituation entsprechen nicht dem Existenzminimum und schon gar nicht den monetären Ausbildungserfordernissen zum Pschologischen Psychotherapeuten. Allerdings entzieht sich derartigen Fällen augenscheinlich die staatliche Unterstützung. Und das menschliche Mitempfinden, der sogenannte “Anstand”. Eine Situation, in der man sich die Wirtschaftskraft des Auszubildenden dienstbar macht. Ohne Tarifvertrag. “Egalite, fraternite, liberte”. Lasst uns den gesellschaftlichen Kontext fokussieren, nicht den einzelnen. Betrachtet man sich die Ausbildungssituation für den Heilberuf der Diplom-Psychologen über die Jahrzehnte, so frage ich mich, ob die Gesellschaft nicht positive Anreize schaffen muss, bevor man seine Wirtschaftskraft und sein Engagement dieser Gesellschaft, die nicht achtet u nicht entlohnt, zur Verfügung stellten kann. Auch dieses spezifische Schicksal eines angehenden Kollegen stelle ich in diesen allgemein gesellschaftlichen Zusammenhang mit Hintergrund Heilberufsausbildung für Diplom-Psychologen. Gut, dass die Presse aufdeckt.

  8. 1, 12. November, 2011 21:49

    Das dachte ich mir sofort, dass das nicht Diebstahl sein kann & ein verrueckter Diplom Psycholge [erst nach 10 Jahren dieser Arbeit ist das erlaubt und vorauszusehen!], sondern Hungernot & ein verruecktes Krankenhaus.
    MICHAEL ROLOFF,>,> http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name,>,Member Seattle Psychoanalytic Institute and Society >, http://analytic-comments.blogspot.com/,>

  9. 1, 14. November, 2011 20:46

    Und hinterher … wenn jemand diese Tortour durchgestanden hat und seine Approbation bekommt. Muss er/sie von dem “gesparten” Geld noch viele zig-Tausend Euro bezahlen, wenn er/sie eine Kassenzulassung bekommen will.

    Diese Ausbildungsordnung und v.a. die Umsetzung durch die Kliniken sind wirklich katastrophal.

  10. 1, 28. November, 2011 12:11

    Berufspolitische Kapitulation! Furchtbar!

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