FM4 und seine Piefke-Battles
FM4 und seine Piefke-Battles — Liebes FM4Team!
Ich möchte mich in einem offenen Brief an alle Beteiligten dieses „witzigen“ Radioprogrammes wenden.
An Euch, liebes FM4-Team – auch an alle lieben ÖsterreicherInnen & an alle lieben Deutschen in Österreich,
Euer Programm trägt soviel zur Volkerverständigung bei wie ein Fußballspiel. Ich bin Student der Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz und lange genug in Österreich um über Euren Battle lachen zu können. Es wäre trotzdem wünschenswert, wenn man ein bisschen mehr über die weniger witzigen Hintergründe berichtet.
Diese Diskussion gibt es schon seit 2005, ich war damals Teil des ersten Jahrgangs, der durch einen Aufnahmetest an die Uni durfte. Herzlich Willkommen habe ich mich am Anfang nicht gefühlt. Bis ich nach Österreich kam, habe ich ein Jahr in Südamerika gelebt und war etwas anderes an Gastfreundschaft gewohnt als den Satz „Ach, Du bist Deutscher, studierst Du etwa auch Medizin?“. Seitdem die NC-Flüchtlinge, wie es so schön heißt, eine legale Möglichkeit haben, in Österreich studieren, hat sich die Gesprächskultur zu diesem Thema auf ein ‘Die-Ausländer-nehmen-uns-die-Arbeitsplätze-weg-Niveau’ reduziert. Dabei wird immer gerne vergessen, dass die österreichischen Bundesregierungen schon jahrelang wussten, dass dieser Moment der Studentenflut irgendwann kommen wird und einfach nichts gemacht haben. Aber es ist natürlich einfacher die Schuld auf Auswärtige zu schieben, als auf eigene Politiker (das ist in Deutschland in vielen Bereichen leider nicht besser).
Ich möchte an dieser Stelle deutlich machen, dass ich ebenfalls für eine gesamteuropäische Lösung bin und das ich Quoten sogar akzeptieren würde, wenn sie den europäischen Richtlinien entsprächen. Was ich nicht gutheißen kann, sind Radioprogramme, die in ihrer „Witzigkeit“ vergessen, dass sie bestehende Differenzen und Meinungsverschiedenheiten zwischen Völkern völlig undifferenziert darstellen und dabei die Situation für alle Beteiligten überhaupt nicht verbessern. Ich benutze in diesem absichtlich den Begriff ‘Volk’, um ‘den Deutschen’ darauf aufmerksam zu machen, dass er sich nicht in seinem eigenen Land befindet – manche vergessen das gerne mal. Österreicher vergessen hierbei gerne, dass Deutsche auch Ausländer sind.
Deswegen an dieser Stelle meinen Aufruf an alle Deutschen in Österreich: Nehmt Eure beschissene Überheblichkeit ein bisschen zurück, wenn ihr denkt „ihr hebt hier das Niveau“. Nur weil ihr so mutig wart, in ein anderes Land zu gehen, um zu studieren, heißt dass noch lange nicht, dass ihr besser seid. Wenn überhaupt, dann ist das nur ein Sammelsurium von durchschnittlich leicht motivierteren Studenten, die leider ein zu schlechtes Abitur gemacht haben, um in Deutschland studieren zu können. Ein bisschen Dankbarkeit wäre angebracht.
Und natürlich noch zu Euch, ihr lieben Österreicher. Was muss man denn machen, um sich hier zu integrieren? Wie wäre es mit einem Kriterienkatalog für österreichisches Benehmen? Oder einen Einführungskurs zum Umgang mit Titeln und Heimatfilm? Ich frage mich, nachdem ich über 4 Jahre hier lebe, was ich denn eigentlich noch machen kann.
Ich freue mich über jeden neuen Österreicher, den ich kennenlerne, der meine Nationalität nicht zum Thema macht – denn dann merke ich, dass er an mir und nicht an meiner Herkunft interessiert ist. Ich lebe in Graz und mittlerweile ist diese Stadt mein Zuhause – darf sie das nicht sein?
Liebe Grüße, Manuel

Katrin Tuppinger wrote on facebook:
)
so schlimm mit der diskriminierung?!
manuel, ich hab dich doch mit offenen armen aufgenommen, dir ein zu hause geschenkt und dich wie einen ganz normalen piefke behandelt. ich muss sagen, in deutschland sind die ganz nett zu den ausländern
Genau! Immer diese überheblichen Deutschen!
Lustigerweise geht es mir manchmal immer noch ähnlich, so als Wessi in Leipzig. Und das finde ich fast noch gruseliger. Ich rege mich regelmäßig auf, wenn mich jemand Besserwessi nennt, aber rege mich auch regelmäßig über die echten „Besserwessis“ auf. Wasn Unwort.