Das macht Dich glücklich?

2008 Juli 6
by Manuel Becker

Das macht Dich glücklich? — Als Antwort und Zusammenfassung auf den Beitrag „Was macht Dich glücklich?“:

Trautes Heim – Glück allein? Naja, das Glück geht anscheinend in diese Richtung, aber das ist nicht alles, was man braucht, um glücklich zu sein. Zunächst einmal „Danke!“ für eure Antworten im letzten Beitrag. Ich habe mir die Freiheit genommen, alles, was so gesagt worden ist, mal grob zusammenzufassen und für die psychologische Forschung zu verwenden. Eurer Meinung nach macht Glück folgendes aus: Man ist glücklich, wenn man öfter Glücksmomente hat, wenn man oft Dinge tut, die man gerne tut. Man hat Zukunftsaussichten, Ziele und schöne Erinnerungen, man ist etwas spirituell und macht genügend Pausen. Neben gutem Essen zählt genügend Bewegung und eine gesunde Körperwahrnehmung zu einem glücklichen Leben. Oft in der Natur sein, Liebe erleben und Familie und Freunde scheinen ebenfalls sehr wichtig für das persönliche Glück.
In einem Seminar haben wir dann mit weiteren Ideen und „echter“ Literatur verschiedene Glückskomponenten definiert, um mittels eines Fragebogens den Glücksfaktor einer Person erheben zu können. Glück ist in der Psychologie noch ein sehr neues Thema, weil die PsychologInnen sich erstmal darum gekümmert haben, wie man Angst und Depression weg bekommt, aber nicht, wie man jemanden dann letztendlich glücklich macht – allein das Entfernen von Unglück reicht dazu nicht.
Und weil ich in Graz studiere, machen wir, anstatt einer ordentlichen philosophisch fundierten Begriffsdiskussion, eine Faktorenanalyse. Das tolle Statistikprogramm findet also raus, wie alle UntersuchungsteilnehmerInnen geantwortet haben und sagt mir dann, welche Fragen im Fragebogen schlecht waren und zu welchen Faktoren man die zuordnen kann. Dann schaut man sich die Fragen nochmal an, und schaut, ob das mit der Theorie, die man vorher aufgestellt hat, übereinstimmt. Meine Gruppe und ich haben sich dabei um die Fragen zu den sozialen Netzwerken gekümmert. Dazu hatten wir Fragen formuliert, weil viele von Euch Familie und Freunde als sehr wichtig empfinden, um glücklich sein zu können. Ein Beispiel für eine solche Frage im Glücksfragebogen wäre „Ich habe das Gefühl, von anderen Menschen gebraucht zu werden.“. Kann man dieses Item eher bejahen, dann ist man glücklicher – so die Theorie.
Nachdem man diese statistische Analyse also über alle Fragen (bzw. Aussagen in diesem Fall) drüber hat laufen lassen, sagt das Programm: Drei Faktoren. Wir haben uns die Angeschaut und sind zu folgender Interpretation gekommen: Am wichtigsten scheint die aktuelle Stimmung und der allgemeine Optimismus zu sein (Faktor 1), dann sind Freunde, enge Bezugspersonen und Vertrautheit zu diesen Personen wichtig für Glück (Faktor 2). Als letzter Faktor 3 wäre dann Entspannung und Ausgleich zu nennen. Wenn man die Analyse ein bisschen anders laufen lässt, dann kommt noch ein vierter Faktor raus, der die aktuelle Lebenssituation mit einbringt (körperlicher Zustand, ausreichend Schlaf, finanzielle Situation). Dieser Faktor hätte dann geringfügig mehr Gewicht als Faktor 3.
Diese Ergebnisse wollte ich Euch nicht vorenthalten. Man muss aber dazusagen, dass unser letztlicher Fragebogen nur fast ein Drittel von dem erklären kann, was wir unter Glück verstanden haben. Also haben uns noch einige wichtige Dinge gefehlt. Neben der aktuellen Gefühlslage, Fragen zum Job, Hobbies und Beschäftigungen haben wir die Komponenten Sinngebung und Selbstwertgefühl/Optimismus erhoben. Basiskomponenten für Glück (genügend Essen, Schlaf, Sicherheit) scheinen in Europa gesichert, gefragt wurde noch nach biophysiologischen Aspekten. Bei den sozialen Netzwerken gab es Themen wie Familie, Geborgenheit, Freunde oder Anerkennung.

Deswegen meine Frage: Was sagt Ihr dazu und was könnte noch fehlen zum Glück?

  1. 2008 Juli 11

    Noch was, was ich zu den sozialen Netzwerken vergessen habe: Am wichtigsten scheint hier das Gefühl gebraucht zu werden zu sein. Die Aussagen, die wir hierzu formuliert hatten, haben bis zum Schluss „überlebt“, das scheint auf jeden Fall ein Hinweis darauf zu sein.

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